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JOAN MIRÓ


Joan Miró | Die Poesie der Farbe
in der Stadtturmgalerie Gmünd von
5. Mai bis 1. Oktober 2017.

Als eines der bedeutendsten Ausstellungshäuser im Süden Österreichs präsentiert die Stadtturm-galerie Gmünd 2017 eine fantastische Auswahl an Lithografien und Radierungen des großen katalanischen Künstlers Joan Miró. „Ich versuche, Farben so anzuwenden wie Wörter, die Gedichte bilden, wie Noten, die Musik bilden.“ Joan Miró.


Die Stadtturmgalerie der Künstlerstadt Gmünd, spätestens seit den beiden erfolgreichen Großausstellungen DÜRER IN GMÜND im Sommer 2015 und GOYA IN GMÜND im Vorjahr eines der bedeutendsten Ausstellungs-häuser im Süden Österreichs, präsentiert im Sommerhalbjahr 2017 das fantastische druckgrafische Werk des großen spanischen Künstlers JOAN MIRÓ. Damit steht auch 2017 wieder ein weltberühmter Meister der Druckgrafik mit seinen Originalradierungen und Lithografien im Mittelpunkt der großen Schau im Turm.

In einer nahezu beispiellosen Karriere, die sich über mehr als sieben Jahrzehnte erstreckte, sicherte sich Joan Miró einen Platz in der Reihe der großen Genies der modernen Kunst. Insbesondere Mirós späte Arbeiten sind unverkennbar – ein Rausch der Farbe und der Form, inspiriert von den unzähligen Strömungen der modernen Kunst seiner Zeit, von Kubismus und Dadaismus, Surrealismus und Fauvismus, Abstraktion und magischem Realismus. Die Ausstellung JOAN MIRÓ | DIE POESIE DER FARBE bietet einen umfassenden Einblick in das grafische Werk Joan Mirós und demonstriert eindrücklich seine virtuose Schaffenskraft und seinen poetischen Umgang mit der Farbe. Die aus einer der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Deutschlands stammenden Blätter sind allesamt ab etwa Mitte der 1950er-Jahre entstanden, also ab einem Zeitpunkt in Mirós Schaffen, zu dem er als Maler und Grafiker bereits etabliert und auch Träger des großen Preises für Druckgrafik der Biennale von Venedig war. Auf vier Stockwerken begegnet der Besucher einer bunten Auswahl an Lithografien und Radierungen, die jedem enthusiastischen Kunstliebhaber und Bewunderer der Arbeit Joan Mirós gerecht wird. Kärnten erlebt damit auch 2017 wieder eine Ausstellung der Extraklasse in Gmünd!


Die Ausstellung JOAN MIRÓ │ DIE POESIE DER FARBE entsteht in Zusammenarbeit mit der Sammlung Richard H. Mayer (Kunstgalerien Böttingerhaus, Bamberg) und wird von MMag. Julia Schuster, STRABAG Kunstforum, und Dr. Erika Schuster, Kulturinitiative Gmünd, kuratiert. Die Schau ist von 6. Mai bis 1. Oktober 2017, täglich von 10.00 bis 13.00 und 14.00 bis 18.00 Uhr, zu sehen. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit MIRÓ-Matinéen, Filmabenden im Kulturkino sowie ein eigenes Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Schulen.



Joan Miró – Der malende Poet (1893-1983)

Joan Miró wird am 20. April 1893 in Barcelona geboren. Sein Vater, ein Goldschmied und Uhrmacher, stammt aus der Nähe von Tarragona in Katalonien, seine Mutter aus Palma de Mallorca. Joan Miró verbringt seine Kindheitsjahre in Barcelona, immer wieder unterbrochen von sommerlichen Aufenthalten im Heimatdorf seines Vaters und auf Mallorca. Früh entwickelt sich bereits der Wunsch, zeichnen und malen zu lernen und so besucht er bereits ab dem zarten Alter von sieben Jahren in Barcelona Zeichenunterricht bei einem Privatlehrer. Obwohl er seine gesamte Kindheit und Jugend Zeichenunterricht genießt, strebt Joan Miró auf Wunsch seines Vaters zunächst keine künstlerische Karriere an, absolviert vielmehr eine Ausbildung an einer Handelsschule und beginnt im Anschluss eine Buchhaltungslehre. Im Jahr 1911 erkrankt der junge Miró – wohl aus Unzufriedenheit über seine berufliche Situation - schwer an einer Depression und Typhusfieber, sodass er seine Arbeit als Buchhalter aufgeben muss und mit seinen Eltern auf deren Landhaus nach Montroig zieht. Das ländlich-idyllische Städtchen Montroig wird für Joan Miró zu einem magischen Ort, an den er Zeit seines Lebens gerne zurückkehrt und an dem er seine Malerei verwirklichen und Kraft und Inspiration aus der Beobachtung der Natur und des Alltags der einfachen Landbevölkerung schöpfen kann. Von 1912 – 1915 studiert Miró an der avantgardistischen Kunstschule von Francesc Galí in Barcelona, wird ab 1913 Mitglied des Künstlerkreises St. Lluc und ab 1918 Teil von dessen avantgardistischer Abspaltung Agrupacio Courbet, mit der Miró regelmäßig in Barcelona – wenn auch erfolglos – ausstellt. Miró arbeitet zu dieser Zeit an Landschaftsbildern, wobei er die natürliche Farbpalette außer Acht lässt und die Landschaft in abstrakte Muster verwandelt, als würde er verschiedenste Farbzusammenstellungen austesten wollen. Seine Werke aus dieser Zeit finden ihren Ursprung in Cézannes Konzept der Bildanalyse, in Matisses‘ reinen Farbflächen und in der künstlerischen Interpretation des Kubismus‘ Georges Braques, Pablo Picassos und Sonia Delaunays. Sein enger Freund, der surrealistische Dichter Paul Eluard hat Mirós Arbeitsweise in treffende Worte zu fassen verstanden: „Als der Morgenvogel sich mit frischem Flügelschlag im Baum der Farben barg, schmeckte Miró die klare Luft, die Milch, die Tierherden, und mit unverstelltem Blick, mit zärtlich stolzem Gefühl in der Brust pflückte sein Mund die Kirsche. Kein glücklicher Fund war ihm je so teuer wie der orangefarbene, zartviolette Weg, die gelben Häuser und die rosafarbenen Bäume, die Erde unter einem Himmel von Trauben und Oliven, die Breschen schläft in die Mauern von Enge und Überdruß.“

Um 1920 wird der Wunsch, in die Welt der Pariser Avantgarde einzutauchen, immer präsenter. Über ein Jahrzehnt verbringt Joan Miró die Winter in Paris, die Sommer jedoch weiterhin in Montroig. In Paris knüpft er Freundschaften und enge Kontakte zu vielen wichtigen Künstlern und Schriftstellern, unter anderem zu Pablo Picasso, André Masson, den Dadaisten Tristan Tzara und Francis Picabia, dem Surrealisten André Breton und den Bildhauern Constantin Brancusi, Alexander Calder und Alberto Giacometti. Nicht nur reift durch diese Kontakte Miròs künstlerische Sprache, in seiner Zeit in Paris feiert er auch seine ersten kommerziellen Erfolge und kann durch die dort geknüpften Kontakte den Grundstein für seine weitere, beispiellos erfolgreiche Karriere in den Vereinigten Staaten legen.

Mirós Bildsprache verändert sich in diesem Jahrzehnt drastisch und vollzieht eine immer weiterreichende Reduktion. Anfängliche kubistische und fauvistische Anleihen verschwinden, Miró beginnt, einfache geometrische Formen heranzuziehen. Auch eine Infragestellung der Malerei bleibt nicht aus und so widmet sich Miró in den späten 1920er-Jahren immer mehr auch plastischen Arbeiten, Collagen und Objekten, die bis an sein Lebensende neben der Malerei künstlerische Ausdrucksformen für ihn werden.

1928 findet in der Pariser Galerie Bernheim & Cie eine große Einzelausstellung statt und wird zum Erfolg – alle 41 Arbeiten werden verkauft. Damit beginnt eine rege internationale Ausstellungstätigkeit für Miró, zunächst in Belgien, Berlin, London und Zürich und schließlich in den Vereinigten Staaten. 1929 heiratet Joan Miró die aus Mallorca stammende Pilar Juncosa, ein Jahr später wird ihre Tochter Dolores geboren.

Inspiriert von seinen zahlreichen Künstlerfreunden, Choreografen und Schriftstellern, allen voran Tristan Tzara und Louis Marcoussis entstehen zu Beginn der 1930er-Jahre erste Lithografien und Radierungen. Eine der berühmtesten Grafiken jener Zeit ist das Blatt Aidez l’Espagne (Helft Spanien), das große Verbeitung findet und auf die politische Krise Spaniens und den Bürgerkrieg aufmerksam macht.

1940 sieht Miró sich aufgrund des Vorrückens der deutschen Truppen gezwungen, Paris zu verlassen. Die Kriegsjahre verbringt er weitgehend zurückgezogen auf Mallorca, aber auch immer wieder in Barcelona und Montroig. Miró beginnt, sich mit Bronze, Keramik und Terracotta zu beschäftigen. Im November 1941 eröffnet Joan Mirós erste große Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art.

Aus druckgrafischer Sicht sind vor allem die 1940er- und 1950er-Jahre von großer Bedeutung. Der einflussreiche Pariser Galerist Aimé Maeght übernimmt seine Vertretung und für die Druckereien Fernand Mourlots und Gérald Cramers entstehen große Serien von Lithografien und Radierungen, die am Anfang eines erstaunlich potenten und umfangreichen druckgrafischen Werkes stehen. 1954 erhält Mirò auf der Biennale von Venedig den großen Preis für Druckgrafik. Nach seiner endgültigen Übersiedelung nach Palma de Mallorca im Herbst 1956 wendet sich Joan Miró noch intensiver der Druckgrafik zu.

Die folgenden Jahrzehnte bringen einen Siegeszug von Joan Mirós Malerei, Druckgrafik und skulpturalem und plastischem Werk in der internationalen Kunstwelt: Bedeutende Retrospektiven in Paris, Zürich, London, New York und Tokio, die Teilnahme an Documenta I, II und III in Kassel, die Überreichung des Guggenheim Preises durch Präsident Eisenhower und der große Preis für Malerei der Carnegie Foundation sind nur einige der Höhepunkte. Die bis dahin weitgehend ausstehende Anerkennung Spaniens erfolgt schließlich 1975 mit der Einrichtung der Fundacio Joan Miró und der Eröffnung des Museo Miró in Barcelona. Die Stiftung besitzt neben ca. 200 Gemälden, 50 Skulpturen und 5000 Zeichnungen das gesamte druckgrafische Werk Mirós.

Seine letzten Lebensjahre verbringt Joan Miró in Palma de Mallorca mit ungebrochener Schaffenskraft. Miró verstirbt am 25. Dezember 1983.

„Ich versuche, Farben so anzuwenden wie Wörter, die Gedichte bilden, wie Noten, die Musik bilden.“ Joan Miró



Die Druckgrafik Joan Mirós – Die berührende Welt der Farben

Die Ausstellung JOAN MIRÓ | DIE POESIE DER FARBE


gibt einen Einblick in die außergewöhnliche Produktivität und Virtuosität der druckgrafischen Produktion Joan Mirós. Die Blätter sind allesamt ab etwa Mitte der 1950er-Jahre entstanden, also ab einem Zeitpunkt in Mirós Schaffen, zu dem er als Maler und Grafiker bereits etabliert und auch bereits Träger des großen Preises für Druckgrafik der Biennale von Venedig war. Auf vier Stockwerken zeigt die Stadtturmgalerie Gmünd eine bunte Auswahl von Grafiken, insbesondere von Lithografien, die jedem enthusiastischen Kunstliebhaber und Bewunderer der Arbeit Joan Mirós gerecht wird.


Joan Miró beginnt sich erst in seinem späteren Werk mit der Druckgrafik zu beschäftigen, zu einem Zeitpunkt, als er in der Malerei bereits eine eigene, unverkennbare Ikonografie entwickelt hat, die sich aus den unterschiedlichsten Kunstströmungen seiner Zeit, aber zu großen Teilen auch durch Poesie und Literatur seiner Schriftstellerfreunde befruchtet hat und die Miró auf seine eigentümliche Weise weiterentwickelt. Als entscheidende Zeit in Joan Mirós Leben und als maßgeblich für die Entwicklung seines unverkennbaren Malstils sind mit Sicherheit sein jahrelanger Aufenthalt in Paris in den 1920er-Jahren und die vielen dabei geschlossenen Künstlerfreundschaften, unter anderem zu seinem Landsmann Pablo Picasso, den Dadaisten Francis Picabia und Tristan Tzara und den aus dieser Bewegung hervorgegangenen Surrealisten André Breton, André Masson, Paul Èluard und Louis Aragon zu werten. Obwohl es deutliche Ähnlichkeiten zwischen der Arbeits- und Denkweise der Surrealisten und Joan Mirós gibt, will der Künstler selbst nie als Mitglied der surrealistischen Gruppe gelten. Dennoch ist es das Gedankengut der Surrealisten und des Dadaismus, das auch Miró Zeit seines Lebens teilt, insbesondere der grenzenlose Glauben an die Macht des Poetischen in der Kunst.


Zu Beginn handelt es sich bei Mirós Radierungen und Holzschnitten um Illustrationen zu den Gedichten seiner Freunde, bevor er auf seiner Amerikareise im Jahr 1947 mit der Technik der Lithografie in Kontakt kommt und sie erlernt. Von nun an wird die Farblithografie den Großteil seiner druckgrafischen Produktion ausmachen. Mirós Galerist in Europa, Aimé Maeght, erkennt das Potenzial der Farblithografien, veröffentlicht eine Reihe von kostbaren Sammlermappen mit Originallithografien und bibliophile Editionen und platziert diese gekonnt am Kunstmarkt. Zeitgleich veröffentlicht der große Druckermeister Fernand Mourlot in Paris luxuriöse Grafikeditionen von Joan Miró und seinen Zeitgenossen, etwa Henri Matisse, Pablo Picasso, George Braque oder Marc Chagall. Originalblätter aus diesen Sammlereditionen machen einen guten Teil der Ausstellung in der Stadtturmgalerie Gmünd aus, wie etwa die Farblithografien der Serien bzw. Editionen Le Lezard aux Plumes d’Or, Ma de proverbis und Le Courtisan Grotesque. Ein besonderes Highlight stellen jedoch mit Sicherheit auch die 14 Farblithografien der Serie La Melodia Acid dar, die Joan Miró in seinem letzten Lebensjahr anfertigt und die am Ende eines 90jährigen Künstlerlebens aufgeladen sind mit künstlerischer Hingabe und Energie.


Joan Miró nützt alle Möglichkeiten, die diverse Tiefdruckverfahren und Lithografie einem Künstler bieten können und beschäftigt sich sein Leben lang mit der Verfeinerung der Technik: „Die Druckgraphik ist für mich ein Mittel der Befreiung, der Erweiterung und Entdeckungen. Obwohl ich anfangs noch Beschränkungen – der Bearbeitung, der Arbeitsmittel und der allzu konventionell bestimmten Rezepturen – unterlag. Mit ihnen galt es, sich auseinanderzusetzen, sie zu überwinden; dann eröffnete sich dem Blick und der Hand ein riesiges Feld neuer Möglichkeiten. Ich konnte eine Nadel oder einen Stichel benutzen, aber auch die Finger, die Hand, einen Nagel oder einen alten Schraubenzieher. Ich konnte mich sogar vom handelsüblichen Papier lösen und Abzüge auf den ausgefallensten Papiersorten machen.“, zitiert sein Biograf Jacques Dupin den Künstler.


Sowohl in seiner Malerei als auch in der Druckgrafik entwickelt Joan Miró eine eigene künstlerische Ausdrucksform und Sprache, sein Miró’sches Universum der Zeichen und Symbole, die in seinen Bildern stets wiederkehren. Dabei arbeitet er angelehnt an das Postulat der Surrealisten, den psychischen Automatismus und die Phantasie: Mirós Bilder sind phantastisch, traumähnlich, vom Unbewussten beeinflusst. In einigen frühen Gemälden treibt Miró den Automatismus auf die Spitze: Er bestreicht Leinwände mit Leim, lässt mehrere Schichten von Lasierung darüber rinnen, sodass sie Rinnsale und Tropfen bilden, und lässt sodann den Pinsel ohne ein bestimmtes Ziel auf der Leinwand wandern. Es entstehen Zufallsformen, die Miró später in sein Formenrepertoire aufnimmt.


Jenseits jeder ästhetischen Überlegung und fernab der Kontrolle durch die Vernunft vermögen Mirós Bilder es, eine höhere Wirklichkeit auszudrücken. Kompromisslos entwickelt Joan Miró über Jahrzehnte seinen Stil, ungeachtet eines vorerst nicht eintretenden kommerziellen Erfolges und des hohen Zeitaufwandes, der dafür nötig ist. Er muss wohl den amerikanischen Dichter Walt Whitman gelesen haben, Mirós Vorgehensweise erinnert an die Zeilen aus „Gesang von mir selbst“: „Ich feiere und lade meine Seele zu Gast; liege auf dem Erdboden, behaglich halte ich Rast und betrachte einen Halm vom Sommergras.“ Mit Gedanken wie diesen malt Miró im Freien und meditiert dabei, und schreibt später an einen Freund: „Diese Woche hoffe ich, zwei Landschaften fertigstellen zu können. (…) Wie du siehst, komme ich nur sehr langsam voran. Wenn ich an einer Leinwand arbeite, dann verliebe ich mich in sie; es ist eine Liebe, die aus dem langsamen Verstehen geboren wird. Ein langsames Verstehen der Nuancen – in konzentrierter Form – die die Sonne erzeugt. Eine Freude dabei, einen winzigen Grashalm in der Landschaft verstehen zu lernen. Warum ihn geringer machen? Ein Grashalm ist so bezaubernd wie ein Baum oder ein Berg. – Von den Primitiven und Japanern abgesehen, übersieht fast jeder dieses Geringe, das so göttlich ist!“


Joan Miró bedient sich in seiner unverkennbaren künstlerischen Zeichensprache oft weniger, scharf definierter Formen (immer wieder erscheinen sie in Form von Mondsicheln, Kreisen, Kegeln und farbigen Linien), der Primärfarben Gelb, Rot und Blau, sowie Schwarz und Weiß. Je länger seine künstlerische Entwicklung andauert, desto abstrakter werden die Bilder und desto organischer, biomorpher die Formen. Die Leinwände und Papierbögen sind oftmals von gepunkteten oder durchgehenden Linien überzogen, der Bildraum erinnert in seiner Flachheit fast an Comic-Zeichnungen. In den 1940er-Jahren entsteht die in sich geschlossene Serie der Konstellationen, in der Miró Sterne, Monde, Sonnen und stilisierte Figuren mit feinen Linien verbindet und so ein „kosmisches Netz von Zeichen“ entstehen lässt. Systematisch wechselt er in diesen Bildern immer dann die Farbe, wenn sich Linie und Form überschneiden und schafft auf diese Weise harmonische, ausgewogene Bilder, auf denen die Figuren und Formen zu pulsieren scheinen. Die Serie der Konstellationen wird zur einflussreichen Inspirationsquelle für die Maler des amerikanischen abstrakten Expressionismus, allen voran Arshile Gorky und Jackson Pollock. Bis an sein Lebensende entwickelt Joan Miró seinen Stil und damit eine lebendige Kunst konsequent weiter, ohne sich selbst zu verraten und ohne sich auch nur einen Augenblick um Zeitgeist, Trends und Kritiker Gedanken zu machen.


Joan Miró schafft bis ins hohe Alter eine ungeheure Menge an unverwechselbaren, einzigartigen Kunstwerken, mindestens 2000 Gemälde, 500 Skulpturen und Plastiken, 400 Keramiken, 5000 Zeichnungen und Collagen, zahlreiche Webteppiche, sowie 3500 Druckgrafiken, hauptsächlich Lithografien und Radierungen, die zumeist in Auflagen von etwa 50 – 75 Stück vervielfältigt werden. Sein enger Freund Alberto Giacometti beschreibt Joan Mirós Kunst im Jahr 1959 mit den eindrücklichen Worten: „Das ist für mich die größte aller Freiheiten. Es ist das Luftigste, das Ungezwungenste, das Leichteste, was ich je gesehen habe. In einem gewissen Sinn ist es absolut perfekt. Wenn Miró einen Punkt setzt, gelingt er ihm immer genau. In der Tat ist er ein Maler, der drei Farbflecke auf einer Leinwand lassen kann: sie ist da und ein Bild.“


RAHMENPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

FACHVORTRÄGE – MIRÓ MATINÉEN

Wie schon in den beiden vergangenen Jahren anlässlich der Ausstellungen von Albrecht Dürer und Francisco de Goya erfolgreich durchgeführt, sollen auch 2017 zur großen Stadtturmausstellung JOAN MIRÓ | DIE POESIE DER FARBE vertiefende Fachvorträge von Miró-Experten angeboten werden. Diese finden jeweils um 11.00 Uhr vormittags an Samstagen im nostalgischen Kulturkino Gmünd im Pfarrhof statt und gewähren Einblick in je ein ganz spezifisches Themenfeld in Joan Mirós Arbeiten.


Folgende Miró Matinéen konnten bereits fixiert werden:

SA, 6. Mai 2017 Vortragstitel in Ausarbeitung
Dr. Evelyn Benesch Stellvertretende Direktorin am Bank Austria Kunstforum, Wien, Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin, Miró-Spezialistin, spricht über Leben und Werk Joan Mirós

SA, 24. Juni 2017 „Frauen und Vögel – Miros bildhauerisches Werk“
Dr. Edgar Lein Universitätsprofessor am Institut für Kunstgeschichte an der Karl Franzens Universität Graz

SA, 15. Juli 2017 „La Révolution Surréaliste – Der Surrealismus in Kunst und Literatur“
MMag. Julia Schuster STRABAG Kunstforum, Wien, und Ausstellungskuratorin, spricht über die wichtigsten Vertreter der surrealistischen Avantgarde.

SA, 16. Sept. 2017 Vortragstitel in Ausarbeitung
Dr. Gisela Kirpiscenko Miró Ausstellungskuratorin an der Albertina, Wien

MIRÓ FILME IM KULTURKINO GMÜND

Nach dem erfolgreichen und gut besuchten Spielfilmprogramm zur GOYA IN GMÜND Ausstellung im heurigen Jahr, sollen auch 2017 ausgewählte Dokumentationen und Spielfilme über den großen katalanischen Künstler einem interessierten Publikum im Kulturkino präsentiert werden.

KUNSTVERMITTLUNG

Zur Ausstellung MIRÓ IN GMÜND wird wieder ein umfangreiches Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Schulklassen aller Schulstufen angeboten. Und auch für Erwachsene gibt es wieder Führungen mit speziell ausgebildeten KunstvermittlerInnen, die den AusstellungsbesucherInnen Leben und Werk Mirós näherbringen.
Als Vertreter der Klassischen Moderne zählt der Spanier Joan Miró zu den populärsten Künstlern des 20. Jahrhunderts, in dessen fantasievollen Bildwelten es viel zu entdecken gibt. Im Zentrum des Kunstvermittlungsprogramms steht für die Kindergartengruppen und Schulklassen eine altersgerechte Führung durch die Ausstellung JOAN MIRÒ | DIE POESIE DER FARBE. Beim Begegnen mit Farben und Formen fällt es vor allem oft Kindern leichter als Erwachsenen, in den traumartigen Bildern Gegenstände oder Fantasiefiguren zu erkennen. Miró verwendete in seinen Bildern gerne wiederkehrende Motive wie halbe Ringe, gebogen parallel verlaufende Linien, Kreise sowie Elemente wie Vogel, Auge, Sonne, Mond und Sterne. In der Kreativwerkstatt Gmünd wird diese Bildsprache genauer untersucht. Wie hat der Künstler diese Formen eingesetzt und welche Farben machen Mirós Bilder so heiter? Losgelöst von dem Anspruch, alles möglichst realistisch abbilden zu müssen, gestalten die Kinder im Anschluss ihre eigenen Kunstwerke. Schulklassen ab der fünften Schulstufe können sich anhand eines Würfelspieles noch intensiver mit den Elementen in Mirós Bildern beschäftigen. Durch den spielerischen Zugang wird das Loslösen von der Realität gefördert und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wir freuen uns auf viele Kinder und Jugendliche!

AUSSTELLUNGSFÜHRUNGEN
Unser gut geschultes und hochmotiviertes Führungsteam freut sich auf einen spannenden Rundgang mit Ihnen durch die MIRÓ Ausstellung. Preis pro Führung bis 25 Personen: € 45,--
Bitte um telefonische Voranmeldung unter der Nummer 04732/ 2215-24 oder per Mail an kultur.gmuend@aon.at

EINTRITTSPREISE
Erwachsene € 8,-- | Kinder ab 10 Jahren, Schüler und Studenten € 4,--
Gruppen ab 10 Personen pro Person € 6,50 | Ausstellungsführung jederzeit auf Anfrage € 45,--
Freier Eintritt mit der Kärnten Card und dem Kärnten Kultur Pass
10% Ermäßigung mit der Ö1 Clubkarte
25% Ermäßigung mit dem Kelag Plus Club

KONZEPT UND DURCHFÜHRUNG DER AUSSTELLUNG
Die Ausstellung wird, wie schon die erfolgreichen Ausstellungen DÜRER IN GMÜND | Albrecht Dürers grafisches Meisterwerk und GOYA IN GMÜND | Francisco de Goyas berühmte Radierzyklen von MMag. Julia Schuster, STRABAG Kunstforum, und Dr. Erika Schuster, Kulturinitiative Gmünd, kuratiert und entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Sammlung Richard H. Mayer, Kunstgalerien Böttingerhaus, Bamberg.

INFORMATIONEN & KONTAKT
Kulturbüro der Kulturinitiative Gmünd | 9853 Gmünd in Kärnten, Hauptplatz 20
Tel. 04732/ 2215-24 | Mail: kultur.gmuend@aon.at | www.stadtgmuend.at

 

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