Kulturelle Sehenswürdigkeiten im Familiental

St. Ulrich in Platz


Erstmals beschrieben wurde diese kleine Bergkirche 1894 von G. A. Hann, der damals in den Beiträgen zur Kunsttopographie Kärntens Beschreibungen von vielen Kirchen veröffentlichte.

Über St. Ulrich schreibt er:
Dieses aufgelassene gotschische Kirchlein mit abgetragenem Turm, deren Glocken sich am Kruezbichl befinden, hat eine Vorlaube, einfache gotische Türe, oblonges (rechteckiges) Schiff mit flacher Decke, welche mit einem in Leimfarben bemalten Holzplafond bedeckt ist, der, in Felder geteilt, bemalte und verzierte Längsstreifen und Kreise mit sich durchschneidenden Kreissegmenten im Innerkren zeigt. Der Chor hat Netzgewölbe, die gotischen Fenster sind schmal und schießschartenartig. Der ganze Chor ist noch jetzt unter der Tünche mit Malereien aus der besseren gotischen Zeit bemalt. Dies zeigen die schönen Borduren und Malereien, die fleckenweise blos liegen. An der Außen-Westseite der Kirche befinden sich handwerksmäßige Malereien noch aus der gotischen Zeit, nämlich ein überlebensgroßer Christoforus, links davon Maria mit dem Kinde und die Spuren einer Verkündigung. Die ganze Westwand ist bemalt, man sieht auch noch Spruchbänder. Die Kirche ist entweiht und dient als Rumpelkammer. Bei meiner Besichtigung wurde mir vom Küster mitgeteilt, dass ein altes bemaltes Tuch, das unter anderem Sonne, Mond und den Hl. Geist zeigte, um 50 Gulden an einen Händler verkauft wurde. Die Conservierung dieser Kirche wäre wegen der Malereien im Chore, die von der Tünche befreit werden sollten, wünschenswert."

Zwei Stellen in dieser Beschreibung sind bemerkenswert. Einerseits die Schilderung der bemalten Decke, die wohl auch verkauft wurde. 1929 ist sie jedenfalls nicht mehr vorhanden, in den Kunstdenkmälern Kärntens steht nur mehr "mit offenem Dachstuhl". Andererseits ist es der Wunsch des Schreibers nach der Conservierung dieser Kirche, der jetzt, nach über 100 Jahren, seine späte Erfüllung findet!

Für die Kirche, die jetzt im Besitz der Stadtgemeinde Gmünd ist, wurde in Zusammenarbeit mit Bundesdenkmalamt, Bauforschern, Restauratoren und Statikern ein Renovierungsplan ausgearbeitet, der in den nächsten Jahren ausgeführt werden wird. Als Voraussetzung jeglicher Arbeiten wurde heuer die Trockenlegung der Außenmauern in Auftrag gegeben. Um auch die Dachabwässer aus dem Mauerbereich ableiten zu können, wurden bereits die erforderlichen Rohre und der Sickerschacht eingebaut.

Das Wasser scheint immer schon Schäden verursacht zu haben, denn 1652 stellt der damalige Visitator fest: "Außer der Kirchen solle ein Graben gegen den Perg ausgegraben werden, damit das Wasser desto leichter ablauffen möge".

Da es von dieser ehemaligen Filialkirche von Millstatt fast keine Unterlagen gibt, war es wichtig, sie von einem Bauforscher untersuchen zu lassen. Der Bericht von MMag. Ronald Woldron liegt vor. In der Zusammenfassung der Baugeschichte schreibt er: "Langhaus und Chor der Ulrichskirche gehen großteils auf Bautätigkeit des 14. Jahrhunderts zurück. Die gotische Bausubstanz konnte dendrochronologisch datiert werden. Ein im Südostgiebel des Langhauses versetzter Ankerbalken wurde im Winterhalbjahr 1326 / 1327 gefällt, ein Streifpfosten der Langhausdecke 1327 / 1328, ein Tragbalken der Nordwestmauer des Langhauses 1328 / 1329. Demnach wurde der Rohbau der Kirche um 1329 fertiggestellt. Auch der anschließend aufgetragene Verputz der Zeit um 1330 ist noch in großen Teilen erhalten. Als markantes architektonisches Element der kleinen Kirche ist der gegenüber dem Langhaus eingezogene 4/6-Chor hervorzuheben. Sein seltener keilförmiger Grundriss lässt sich in Kärnten als Baumode des 14. Jahrhunderts fassen. Das monumentalste Beispiel stellt die Klosterkirche "Unsere Liebe Frau in St. Veit" dar. Sie gehörte zu einem 1323 gegründeten Klarissinnenkloster. Der Rohbau des 7,9 x 11,7m großen Langhauses besaß ein nordwestseitiges Portal sowie drei südwestseitige, spitzbogige Lanzettfenster. Während das Portalgewände spätgotisch erneuert ist, blieben die Fensteröffnungen - wenngleich in beschädigtem Zustand - bis heute erhalten. Sie sind rund 2,35m hoch, 80cm weit und verengen sich mauermittig bis auf eine lichte Weite von rund 14cm. Teilweise sind noch die zur Ausbildung der Lichte eingestellten Gewändepfosten vorhanden. Die Innenausstattung des Langhauses umfasste eine hölzerne Westempore, die 1929 noch intakt war, auf die aber nur mehr Abdrücke im Verputz verweisen, sowie eine zwischen 1894 und 1929 entfernte Balkendecke. ... Zum Rohbau des Langhauses gehörte ein Vordach, das den Eingangsbereich vor Wind und Wetter schützen sollte. Von diesem Vordach haben sich die Reste von drei Kragbalken - gefällt 1328/1329 - sowie der Abdruck eines Streichbalkens erhalten".

In einem Visitationsbericht von 1743 sind die Bauern "auf dem Plänz" genannt: Franz in Plänz, Georgen Mösser, Pernhardt Pistumber, Peter Geyersperger, Caspar in Plänz, Ruep Griebler.

Im selben Bericht lesen wir, welche Verrichtungen in der Kirche St. Ulrich für den Kaplan vorgesehen waren:
"1. An einem Tag vor dem Palmsonntag oder anderen gelegennen Tag soll er die Schwachen aldorth für die Österliche Beicht hören, die Starkhen entweder aldorten hören, oder aber auf Millstath alhero zur Österlichen Beicht beruefen.
2. Am Fest S. Ulrich (4. July) hat er aldorten Möss und Predig.
3. Am Sontag vor Maria Geburth, wan Kirchweih ist, Möss und Predig.
4. Begräbnis in Plätz. Tauff und Copulation (Hochzeit) ist zu Millstath".

Nach der Hofkammerverordnung, in der befohlen wurde, nicht mehr benötigte Kirchen und Klöster aufzulassen, wurde auch die Kirche St. Ulrich in Platz (auch St. Maria Magdalena in Oberbuch) zum Verkauf ausgeschrieben. Genauere Daten sind nicht bekannt, doch scheint der erste Besitzer Matthias Planzer, verheiratet mit Theresia Neuschitzer (Hanslbauertochter in Neuschitz) gewesen zu sein. Einem Hinweis in der Familienchronik der Platzer entnehmen wir, dass er die Kirche von Millstatt 1809 erworben hat. Sie blieb im Besitz der Platzer, bis sie infolge eines Tauschvertrages 1933 an Benjamin Preiml übergeben wurde. Dessen dritter Nachfolger verkaufte sie dann an die Stadtgemeinde Gmünd.

(Text: Anton Fritz)

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